Konzertberichte

Konzertbericht: Die Toten Hosen live in Münster

Mein erstes Toten-Hosen-Album war „Ein kleines bisschen Horrorshow“. Da ging ich in die vierte Klasse und von der schon damals stattfindenden Diskussion darüber, ob die Hosen denn noch Punk sind, wusste ich noch nichts. Nur wenige Jahre später eröffnete mir „Learning English Lesson One“ den Zugang zu englischen und amerikanischen Punk-Rock-Klassikern der 70er und 80er und dafür werde ich den Düsseldorfern für immer dankbar sein. Nur live gesehen hab ich Campino und Co. komischerweise nie. Bis jetzt…

Die Toten Hosen live in Münster - Campino steht vorne am Bühnenrand und animiert das Publikum

Am 02.09. heißt es auch in Münster „Trink aus, wir müssen gehen“ und wer der Frage, ob die Hosen noch Punk sind, noch auf den Grund gehen möchte, der muss sich ranhalten, denn niemand weiß so genau, wie oft sich die Gelegenheit noch bietet. Ich bin jedenfalls dabei!

Mit Deine Cousine und Gogol Bordello gibt es gleich zwei Special Guests, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Der Schlager-Indie-Rock der Cousine ist irgendwie belanglos und der Gypsy-Folk-Punk von Gogol langfristig recht monoton. Das Publikum reagiert wohlwollend und alle sind in freudiger Erwartung der Hosen gut gelaunt. 25.000 zahlende Gäste wirken sich ungünstig auf die Bewegungsfreiheit aus und als gegen 19:30 Uhr die Düsseldorfer ihr Intro starten, bekommt man vor der Bühne keinen Fuß mehr vor den anderen.

Die Toten Hosen Live in Münster - Panaromabild der großen Publikumscrowd

Was folgt, sind zweieinhalb Stunden Vollgas mit Hits aus allen Schaffensphasen der Band! Und während ich Spätwerke wie „Strom“, „Weil du nur einmal lebst“ oder „Kamikaze“ zwar kenne, aber kaum mitsingen kann, sind die mir bestens vertrauten älteren Songs wie „Reisefieber“, „Liebeslied“ oder „Schönen Gruß, Auf Wiederseh’n“ vielen anderen Konzertgängern nicht wirklich ein Begriff. Dass die Hosen nicht einfach nur ihre größten Single-Erfolge aneinanderreihen, sondern durchaus einige weglassen, um stattdessen eher selten gespielte Songs zum Besten zu geben, ist bestimmt nicht jedem „Konzert-Touristen“ recht, aber für die Fans eine schöne Geste.

Die Toten Hosen live auf der großen Open Air Bühne in Münster. Kuddel posiert gitarrespielend für die Kamara, im Hintergrund eine große Publikumscrowd

Zwischendurch erzählt Campino Persönliches über seine Beziehung zu Münster, macht klar, was die Band vom Rechtsruck in Deutschland hält, und verteilt Dosenbier an die ersten Reihen. Als Special Guests haben Marian Gold (Alphaville) und Ingo Donot (Donots) Gastauftritte. Marian darf mit den Düsseldorfern seinen größten Hit „Forever Young“ performen und zitiert dabei mit einem schelmischen Lächeln kurz den Klassiker „Für immer Punk“ von den Goldenen Zitronen. Mit dem Donots-Frontmann hingegen wird mit „Verschwende deine Zeit“ ein früher Hosen-Song dargeboten, welcher dank eines ausgefallenen In-Ear-Systems erst mal mit improvisierter Melodie daherkommt, bevor die Nummer zum Refrain hin wieder für alle mitsingbar wird. Natürlich lässt das Publikum die Düsseldorfer nicht ohne Zugabe von der Bühne und als das Konzert vorbei ist, haben die Hosen ganze drei davon gespielt.

Die Toten Hosen live in Münster. Campino umarmt Alphaville

War denn wirklich alles an diesem Abend gut? Nein! Die Preise für Speis und Trank waren wie bei allen Events dieser Größenordnung unverschämt. Das Publikum in den hinteren Reihen war teilweise spießiger als Friedrich Merz. Und der Sound war (für Punk-Rock-Verhältnisse) recht leise und etwas breiig. Hat das dem Spaß Abbruch getan? Nein! Und zu der eingangs erwähnten Frage, ob die Toten Hosen noch Punk sind … Es könnte mir nichts egaler sein! Danke für alles, liebe Hosen!!!

Beppo Hawaiian