Interviews

Peals im Interview: „Wir wurschteln uns da dann immer zu einem für alle guten Ergebnis durch“

Die Punkrock-Band Peals aus Ibbenüren live auf der Bühne

PEALS

Münster war schon immer ein gutes Pflaster für Underground-Musik. Aber auch umliegende, barbarische Dörfer wie zum Beispiel Ibbenbüren haben dank des legendären JKZ Scheune seit den 90ern starke Punk- und Indie-Rock-Bands hervorgebracht. Lange dabei und glücklicherweise nicht totzukriegen sind zum Beispiel die PEALS, die in wenigen Tagen ihren neuen Longplayer „Survivor“ auf Vinyl veröffentlichen werden. Grund genug, mit Gitarrist Patrick über 27 Jahre Bandgeschichte zu fachsimpeln …

Wer waren die DECEMBER PEALS und wer sind die PEALS?

Die PEALS sind im Prinzip die Konsequenz aus December Peals. Als December Peals im späten Jahr 1999 gegründet, in den ersten Jahren personell gefestigt und dann nach ein paar Alben, ein paar hundert Konzerten und mehreren Jahren, in denen uns Freunde und Follower schon liebevoll PEALS genannt haben, haben wir mit dem Self-Titled-Album 2018 auch quasi offiziell den etwas sperrigen ersten Teil des Bandnamens abgelegt. Das Self-Titled-Album erschien uns ein guter Zeitpunkt dafür zu sein.

Anfangs wurdet ihr häufig mit den DONOTS verglichen, die ja ebenfalls aus Ibbenbüren kommen. Hat euch das genervt oder fandet ihr das schmeichelhaft?

Na ja, überraschend ist das nicht. Wir haben mit der Scheune in Ibbenbüren die gleiche Sozialisationsstätte gehabt, die in den 90ern der Ort für die Jugend war, wenn man eher alternativ unterwegs war. Da gab es Punk-, Hardcore- und Metalbands. Entweder als Schülerbands oder auch größere Bands, die da auf Tour vorbeigekommen sind. Das prägt natürlich extrem. Abgesehen davon haben manche von uns sich mit den Donots in früheren Bands den Proberaum oder die WG geteilt und wir sind seit vielen Jahren vor allem mit Guido sehr gut befreundet. Ähnliche musikalische Einflüsse und Vorlieben werden dann halt irgendwann offensichtlich. Geschmeichelt hat es uns natürlich auch schon mal, wobei es doch auch sehr deutliche musikalische Unterschiede gibt. Uns ist aber immer auch klar gewesen, dass sowohl geografische als auch musikalische Heimat immer zu Vergleichen führt. Nicht immer auch nur gut gemeinte …

Die ganzen Peals vor blauem HimmelInzwischen habt ihr zu einem Sound gefunden, den ich persönlich häufig relaxter, aber auch erwachsener finde. Was hat sich seit den DECEMBER PEALS geändert?

Ich glaube, das ist schwierig zu benennen. Letztlich haben wir immer das gemacht, worauf wir musikalisch Lust hatten, und dabei ist eben das herausgekommen, was uns als Band ausmacht. Natürlich wird man auch vom Kopf her erwachsener und vielleicht relaxter und das spiegelt sich dann in den Songs wider. Mit Anfang 20 schreibt man andere Songs als mit Anfang 40. Letztlich hat sich ja auch unser musikalischer Kosmos verändert. Manche Einflüsse schwinden, andere kommen hinzu. So entsteht immer etwas Neues und wir bleiben neugierig.

Mit „Feverish Dream“ und „Survivor“ habt ihr dieses Jahr zwei Singles veröffentlicht, die überregional für Furore gesorgt haben. Worum geht es in den Songs?

Gerade „Survivor“ hat ja einen sehr thematischen Background für uns und ist deshalb auch namensgebend für das Album. Nach dem Self-Titled-Album von 2018 hat uns Ali, der weitere Gitarrist, 2019 verlassen. Das war die erste personelle Veränderung seit 2004 und da wir alle, wie oben beschrieben, einen sehr speziellen Background haben und Ali sehr prägend für Ideen und Songwriting war, war nicht direkt klar, ob wir diese Lücke füllen oder unbesetzt lassen können. Uns war aber schnell klar, dass uns diese Band und letztlich auch das Freundschaftskonstrukt, das damit zusammenhängt, so wichtig ist, dass wir zumindest versuchen wollten, das auch zu viert weiterzuführen.

Das hat ca. ein halbes Jahr gedauert, in dem wir versucht haben, alte Songs, die ja ursprünglich für zwei Gitarren geschrieben wurden, mit einer Gitarre zu spielen. Als wir dann so weit waren und sogar angefangen haben, neue Songs zu schreiben, kam der erste Corona-Lockdown – und damit die längste Pause in über 20 Jahren. In dieser Phase sind Kinder geboren und Häuser renoviert worden und viel Zeit ist ohne Konzerte, Proben und gemeinsame Treffen ins Land gezogen. Patrick hat derweil den Proberaum zu einem kleinen Studio umgebaut und sich, wenn möglich, mit Thomas getroffen, um zu jammen. Nach und nach haben wir uns dann wieder regelmäßiger getroffen, als die Situation es wieder zuließ, und so langsam kamen auch wieder richtige Proben und die ersten Songskizzen zustande. Richtig los ging es dann erst wieder im Dezember 2023. Dazwischen lagen 4,5 Jahre Konzertpause. So klar das auch in der Retrospektive gesagt werden kann, war es nicht immer selbstverständlich, dass es die PEALS auch weiterhin gibt. Aber das hätten wir dann auch survived. 😉

Sowohl die Produktion als auch die dazugehörigen Musikvideos sind beeindruckend gut. Wie perfektionistisch sind die PEALS bei der Arbeit?

Danke für die Blumen. Wir sind manchmal gar nicht so perfektionistisch, wie man beim Hören vielleicht vermuten könnte. Beim Songwriting machen wir aber trotzdem keine Kompromisse. Bevor aufgenommen wird, ist jeder Song komplett fertig und es werden keine Baustellen mit ins Studio genommen. Das gilt für Schlagzeug-Fills, eventuelle Soli oder auch Texte oder Vocals. Dass dann eine Idee im Studio dazukommt oder auch mal ein neuer oder veränderter Songteil von externer Seite beigesteuert wird, ist aber schon der Fall. Das macht es letztlich neben dem Finden des passenden Soundgewands auch so spannend. Mit unseren technischen Möglichkeiten sind wir ein Stück weit auf Hilfe angewiesen, die sich dann hier und da auch auf die Songs und Aufnahmen auswirkt.

Bei den Videos ist das unterschiedlich: Manche haben befreundete Videokünstler gemacht, denen wir dann auch freie Hand lassen – es sei denn, es geht völlig in eine falsche Richtung. Ansonsten versuchen wir einen Spagat aus DIY und Hilfe von außen. Was nicht immer zu 100 % so hinhaut, wie man sich das anfangs vorstellt, aber wir wurschteln uns da dann immer zu einem für alle guten Ergebnis durch.

In den letzten Jahren gab es für die PEALS tolle Festival-Gigs, aber auch Support-Slots für Bands wie KAPELLE PETRA oder ALEX MOFA GANG. Gibt es schöne Erfahrungen oder Anekdoten, die ihr mit uns teilen möchtet?

Das stimmt. Da waren tatsächlich tolle Dinger dabei. Die eben erwähnte Pause wurde schon mal mit einem kleinen Hammer beendet, als wir im Rahmen des Lieblingsplatte-Festivals nach 4,5 Jahren Live-Pause im Düsseldorfer Zakk für die Donots eröffnen durften. Den ersten Gig nach so langer Zeit und das erste Mal zu viert und dann direkt vor einer für uns großen Kulisse – das war schon eine geile Erfahrung.

Der nächste Auftritt war dann beim Rock gegen Rechts zu der Zeit, als Anfang 2024 Millionen in Deutschland gegen das Erstarken der AfD auf die Straße gegangen sind. Da haben wir in Ibbenbüren vor knapp 6.000 Leuten gespielt. Bei so einer wichtigen Sache unseren Teil beizutragen, war toll. Und die von dir erwähnten Tour-Supports waren natürlich auch richtig schön. Nicht zuletzt, weil sowohl die Mofa-Gang als auch die Kapelle Petra supernette Leute sind, die uns sehr willkommen geheißen haben. Es lief also nach der langen Pause direkt ziemlich gut für uns. Auch ein paar kleinere Headliner-Shows waren richtig gut besucht, was natürlich immer besonders gute Erinnerungen sind.

Wie gut lässt sich für euch das Rock-’n’-Roll-Business mit Privatleben und Familie vereinbaren?

Letztlich ist das für uns alle seit jeher einfach ein Hobby. Das wissen unsere Familien und da gibt es nicht viel zu erklären. Seit 27 Jahren ist einmal die Woche Bandprobe. Punkt! Und dann gibt es Zeiten, wo wir mal mehr live spielen oder Orga-Dinge zu regeln sind. Das lässt sich aber alles gut organisieren, weil wir das ja schon immer so machen. Unsere Familien haben uns ja quasi so kennengelernt bzw. kennen uns gar nicht anders. Wir spielen eigentlich keine zusammenhängenden Touren und sind dementsprechend höchstens mal zwei Tage am Stück unterwegs. Das lässt sich bei unserem Pensum gut händeln.

Was können wir von eurem kommenden Album „Survivor“ erwarten? Und was gefällt euch am fertigen Produkt selbst am besten?

Auf „Survivor“ bekommt ihr einen ungefilterten PEALS-Sound, der unseren Status quo aufzeigt. Zum ersten Mal gibt es eine richtige LP auf weißem Vinyl und als Anspielung auf unsere Zwangspause haben wir die Seiten „Ahead“ und „Before“ genannt. Auf der Ahead-Seite werden also vier neue Songs vorhanden sein, die nach der Pause entstanden sind, und auf der Before-Seite sind vier ältere Songs, die aber durch die Pause nicht die – unserer Meinung nach – verdiente Aufmerksamkeit bekommen haben.

Beppo Hawaiian